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RealityScan (Photogrammetrie)
RealityScan (vormals »RealityCapture«) von Epic Games ist eine Photogrammetrie-Software, mit der aus normalen Fotos hochauflösende 3D-Modelle berechnet werden. Im Gegensatz zu den optischen Scannern POP 3 Plus und MetroX ist hier keine Spezialhardware nötig — gescannt wird mit jeder beliebigen Kamera oder einem Smartphone.
Im FabLab nutzen wir die kostenlose Version 2.x für Desktop sowie die ebenfalls kostenlose RealityScan Mobile-App (iOS/Android).
Diese Seite ist eine Detailseite. Allgemeine Informationen, Auswahlkriterien und gemeinsames Zubehör finden Sie auf der Übersichtsseite 3D-Scanner.
Einsatzgebiete
- Große Objekte, Gebäude(-teile), Skulpturen, Außenaufnahmen — alles, was zu groß oder unhandlich für die optischen Scanner ist
- Objekte mit aufwändiger Farbtextur (Photorealismus)
- Drohnen-/Luftaufnahmen → 3D-Modelle von Geländen
- Reverse Engineering ohne verfügbares Hardware-Scannerfenster
- Schnelle Smartphone-Scans im Feld (z. B. Fundstück dokumentieren)
Sicherheit
Gefahren
- Keine geräteseitigen Gefahren — RealityScan ist reine Software, es kommt keine Lasersender- oder Strukturlicht-Einheit zum Einsatz.
- Aufnahme-Situation beachten: Bei Außen-/Drohnenscans gelten die üblichen Vorschriften (Drohnenrecht, Hausrecht, Verkehrssicherheit). Beim Scannen auf Leitern, Gerüsten oder Baustellen → eigene Sicherung beachten.
- Datenschutz: Beim Scannen von öffentlichen oder fremden Bereichen können Personen oder Schilder mit personenbezogenen Daten ungewollt erfasst werden. Vor dem Upload prüfen oder anonymisieren.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Keine. Eventuell PSA passend zum Aufnahmeort (z. B. Helm/Warnweste auf Baustelle).
Notfall / Erste Hilfe
- Bei Problemen mit der Software (Absturz, festgefahrener Rechner): Projekt nicht neu starten, sondern speichern und den verantwortlichen Labsitter / Maschinenwart ansprechen — die Berechnung großer Datasets kann viele Stunden gedauert haben.
Technische Daten
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Verfahren | Photogrammetrie (Structure-from-Motion + Multi-View-Stereo) |
| Eingabe | Fotos jeder Kamera/Handy, optional Lidar-Punktwolken (.las, .laz, .e57, .xyz, .csv, .pts) |
| Hardware-Scanner nötig | nein |
| Lizenz | kostenlos für Privat und Unternehmen mit Jahresumsatz < 1 Mio. USD; sonst kostenpflichtig |
| Aktuelle Version (Stand 04/2026) | RealityScan 2.x (Desktop) / RealityScan Mobile 1.7 |
| Plattformen Desktop | Windows 10/11 (64-Bit), Linux (CLI; Ubuntu 24.04+, Fedora 39+) |
| Plattformen Mobile | iOS, Android |
| Export-Formate | OBJ, FBX, PLY, glTF, USD, STL, XYZ, LAS, E57 u. a. |
Quelle: Epic Dev: Introducing RealityScan 2.0 (abgerufen 01.05.2026).
Software
Desktop: RealityScan 2.x
- Download: realityscan.com (Epic-Games-Konto erforderlich, Installation über den Epic Games Launcher).
- Lizenz: Kostenlos für Anwender mit Jahresumsatz < 1 Mio. USD (Stand 04/2026).
- Dokumentation: Offizielle Dokumentation auf dev.epicgames.com.
System-Anforderungen Desktop
| Komponente | Minimum | Empfohlen |
|---|---|---|
| OS | Windows 10/11 (64-Bit), AVX2 / SSE 4.2 | Windows 11 |
| CPU | 64-Bit, AVX2-fähig, ≥ 4 Kerne | ≥ 8 Kerne |
| RAM | 8 GB | 32 GB+ (für große Projekte) |
| GPU | NVIDIA mit CUDA Compute Capability ≥ 3.5, ≥ 1 GB VRAM | NVIDIA mit ≥ 6.1, ≥ 10 GB VRAM (für KI-Funktionen) |
| Speicher | beliebig | NVMe-SSD |
Hinweis: Ohne NVIDIA-GPU funktioniert nur die Bildregistrierung — Mesh- und Textur-Erzeugung sind dann blockiert. Im Lab steht das gleiche GPU-Notebook wie für den MetroX zur Verfügung.
Quelle: RealityScan Hardware and OS Requirements (abgerufen 01.05.2026).
Mobile: RealityScan Mobile
- Apple App Store (iOS): RealityScan Mobile im App Store
- Google Play (Android): RealityScan Mobile bei Google Play
- Kostenlos, Epic-Games-Konto erforderlich.
- Aktuelle Version (Stand 04/2026): 1.7 — mit AR-Aufnahme-Guidance und automatischer Objekt-Maskierung.
- Aufnahmen können direkt zu Sketchfab veröffentlicht oder in die Desktop-Version übernommen werden.
Workflow
Variante A: rein mobil (Smartphone-only)
- App installieren und mit Epic-Konto anmelden.
- Aufnahme starten: Objekt langsam umkreisen, AR-Hinweisen folgen (grüne Markierungen = ausreichend Bilder, Lücken nachholen).
- Auto-Masking aktiv lassen — die App entfernt den Hintergrund automatisch.
- Berechnung in der App durchführen.
- Export als 3D-Modell zu Sketchfab oder lokal als z. B. OBJ/glTF.
Geeignet für schnelle Scans kleiner bis mittelgroßer Objekte ohne PC-Aufwand.
Variante B: Foto-Aufnahme mit beliebiger Kamera + Desktop-Verarbeitung
- Aufnahme mit Smartphone oder DSLR/Systemkamera:
- Möglichst gleichmäßiges, diffuses Licht, harte Schatten vermeiden.
- Objekt rund herum aus mehreren Höhenebenen fotografieren — Faustregel: Überlappung der Bilder ≥ 70 %, mindestens 30–80 Aufnahmen, bei komplexen Objekten gerne mehrere hundert.
- Manuell fokussieren oder konstanten Fokus halten, ISO niedrig, Blende mittel (f/8) für gute Tiefenschärfe.
- RAW oder hochauflösendes JPEG.
- Maßstab dokumentieren (Lineal / bekannter Referenzgegenstand mit ins Bild).
- Fotos auf den Lab-PC kopieren.
- RealityScan Desktop starten, neues Projekt anlegen.
- Bilder importieren, Alignment durchführen — neuer „High„-Modus liefert auch bei featurarmen Oberflächen brauchbare Ergebnisse.
- Quality Analysis Tool verwenden — die Heatmap zeigt schwach abgedeckte Bereiche → ggf. Nachfotografieren.
- Optional Lidar / Punktwolken importieren (.las, .laz, .e57 …) und mit den Kameras kombinieren.
- Mesh berechnen, Textur generieren.
- Maßstab setzen (Control Points oder Distanz-Constraint anhand des Referenzobjekts).
- Exportieren in das gewünschte Format (für 3D-Druck → STL/OBJ; für Visualisierung → glTF/USD).
Variante C: Hybrid (Mobile-App fängt ein, Desktop verfeinert)
- Aufnahme mit der Mobile-App.
- Bilder/Projekt aus der Mobile-App exportieren und auf den Desktop übertragen.
- In RealityScan Desktop weiter verfeinern (höhere Polygonzahl, besseres Texturen-Baking, Lidar zumischen).
Stärken und Schwächen
Stärken
- Keine Spezialhardware — funktioniert mit jeder Kamera
- Sehr hohe Detailtiefe und photorealistische Texturen
- Skaliert beliebig (Objekt, Raum, Gebäude, Gelände)
- Free-Tier deckt private und kleine kommerzielle Nutzung
- Mobile App + Desktop-Pipeline arbeiten zusammen
Schwächen
- Erfordert sorgfältige Aufnahme-Disziplin (Belichtung, Überlappung)
- Glänzende, transparente, einheitlich glatte Oberflächen funktionieren schlecht (kein Feature-Tracking möglich) → Scanspray oder Sticker als Marker hilfreich
- Maßstab muss extra eingebracht werden (Photogrammetrie liefert per Definition keinen absoluten Maßstab)
- Hardware-Anforderungen am Desktop sind hoch (NVIDIA-GPU mit ausreichend VRAM)
- Berechnungszeit für große Datasets kann mehrere Stunden betragen
Tipps und Tricks
- Faustregel Bildanzahl: lieber zu viele als zu wenige Fotos. Doppelt so viele Aufnahmen kosten nur etwas mehr Rechenzeit, fehlende Aufnahmen ruinieren das Modell.
- Konsistente Beleuchtung: Sonne wandert, Wolken ziehen — bei großen Objekten zügig fotografieren oder bewölkten Tag wählen.
- Marker oder Maßstab sichtbar mit ins Bild legen (z. B. Stahllineal, Schach-Field-Pattern). Erlaubt späteres maßstabsgetreues Skalieren.
- Reflektierende Flächen (Glas, Klavierlack) mit mattierendem Spray (siehe Zubehör) behandeln oder Markerstickerchen aufkleben.
- Component-Workflow für große Datasets: in Teilbereichen ausrichten, dann mergen — spart RAM.
- Quality Analysis Tool vor dem Mesh laufen lassen — fast immer fehlen ein paar Detailaufnahmen.
Schwierige Objekte
- Spiegelnde, einheitlich glatte oder transparente Flächen — für Photogrammetrie schwierig, ggf. POP 3 Plus oder MetroX besser geeignet
- Sehr filigrane Strukturen (Drähte, Fell, Haare) — Auflösungsgrenze
- Bewegte Objekte (Personen müssen still halten, Tiere tendenziell nicht) — kurze Aufnahmesequenz oder Multi-Kamera-Aufbau
Quellen
- RealityScan — Produkt-Homepage — abgerufen 01.05.2026
- RealityScan — Offizielle Dokumentation (Epic Developer) — abgerufen 01.05.2026
- Epic Dev: Introducing RealityScan 2.0 — abgerufen 01.05.2026
- RealityScan Hardware and Operating System Requirements — abgerufen 01.05.2026
- RealityScan Mobile im Apple App Store — abgerufen 01.05.2026
- RealityScan Mobile bei Google Play — abgerufen 01.05.2026
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